Paula Hawkins – Into the water

Nachdem Paula Hawkins Debüt „Girl on the train“ nicht nur mich, sondern die ganze Welt in Buch und Film begeisterte, hatte ich hohe Erwartungen an den nachfolgenden  Thriller der Autorin. „Into the water“ hat mich nicht enttäuscht.

Die Geschichte spielt sich hauptsächlich in einem kleinen Dorf namens Beckford kurz vor der schottischen Grenze ab. Jules große Schwester Nel ist im Drowning Pool ertrunken, einem Ort, der seinen Namen den unzähligen Frauen verdankt, die in den letzten Jahrhunderten dort bereits ertrunken sind. Es scheint, als sei Nel selbst von der Klippe gesprungen, was ihre Tochter Lena auch immer wieder betont. Jules glaubt nicht daran.
Ihre Schwester, mit der sie seit der Beerdigung ihrer Mutter vor einigen Jahren nicht mehr gesprochen hat, hat den Drowning Pool erforscht, um ein Buch gespickt mit Fotos und Geschichten – teils wahr, teils Fiktion – zu veröffentlichen. Dieses Projekt war vielen Bewohnern Beckfords ein Dorn im Auge. Unter anderem auch Louise, der Mutter von Lenas bester Freundin Katie, die ein halbes Jahr zuvor ihre ganz eigenen Gründe hatte, ins Wasser zu gehen. Die örtliche Polizei unter der Leitung von Detektive Inspektor Sean Townsend, dessen Mutter Lauren in seiner frühen Kindheit ebenfalls ertrunken ist, ermittelt in alle Richtungen.

„Ich hab ihr geschworen, dass ich keine Ruhe geben würde, bis sie für das bezahlt hätte, was sie angerichtet hat.“

Für die alte Nickie ist klar, dass zwei der drei Tode zusammenhängen: Laurens und Nels. Lena glaubt, Nel hätte sich wegen Katies Tod umgebracht. Jules blickt überhaupt nicht durch. Sie kämpft mit ihren eigenen Erinnerungen an Teenagerzeiten. Nels damaliger Freund Robbie sowie die Hänseleien der anderen Freunde von Nel hätten für Jules beinahe selbst als Wasserleiche im Drowning Pool geendet.
Wie in kleinen Ortschaften üblich, kennt jeder jeden, jeder hat über jeden eine Geschichte, alle glauben, Bescheid zu wissen, aber niemand kennt die Wahrheit. Vielleicht ist gerade deshalb Detektive Sergeant Erin Morgan die objektivste in den Ermittlungen. Sie wurde gerade aus London nach Beckford versetzt und kennt weder das Dorf noch die Geschichten seiner (ehemaligen) Einwohner.
Nel glaubte, dass der Drowning Pool seit Anbeginn dazu diente, sich „unbequemer Frauen“ zu entledigen, denn unbequem waren sie alle: Von Libby, der kräuterkundigen 14-Jährigen, die 1679 für eine Hexe gehalten wurde, über Anne Ward, die nach der Rückkehr ihres Mannes aus dem ersten Weltkrieg diesen ermordete, weil er so anders war, und danach selbst ins Wasser ging, bis zu der Frau, deren Sohn ihren Tod mit ansah und tagelang kein Wort mehr sprach.
Alle Tode haben eine Gemeinsamkeit: Verzweiflung.

Hawkins schildert auch diese Story wieder mit Hilfe vieler Perspektiven aus unterschiedlichen Jahren. Hier ist es etwas leichter, die chronologische Reihenfolge zu verstehen als bei „Girl on the train“, dafür sind wesentlich mehr Personen involviert. Einzig Nel kommt nicht zu Wort, die anderen Toten mittels Nels Aufzeichnungen. Genauso wie bei „Girl on the train“ rätselt der Leser bis zum Schluss, was wirklich passiert ist: War es Suizid? Wenn nicht, wer ist der Mörder? Tatsächlich wird ein Mord erst im letzten Satz aufgeklärt und auf diese Lösung wäre ich zumindest nicht gekommen.

Eine Frage bleibt ungeklärt, für den Ausgang ist sie gar nicht so relevant, mich beschäftigt sie aber auch einige Tage nach Beenden des Buches noch. Sie lautet: Ist er gesprungen oder hat sie ihn gestoßen?

Dieser Thriller hat mich zu einem Hawkins-Fan gemacht. Ein gutes Debüt haben viele, daran genauso gut anknüpfen können wenige.

  • ISBN: 978-3-76450523-3
  • Paperback
  • 480 Seiten
  • Blanvalet Verlag
  • erschienen im Mai 2017
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s