Lesung Mhairi McFarlane

Ich war lang auf keiner Lesung mehr und noch nie auf einer, die so klein und gemütlich war, wie diese in  der Dortmunder Innenstadts-Mayerschen. Zu Gast waren Mhairi McFarlane, Hannah Herzsprung und Margarete von Schwarzkopf, die zusammen Mhairis neuen Roman „Es muss wohl an dir liegen“ präsentierten. Margarete von Schwarzkopf, Moderatorin beim NDR, führte ide etwa 40 Anwesenden durch den Abend, brachte uns dabei nicht nur das Buch, sondern auch die Autorin näher. Mhairi (gesprochen wird das übrigens Weiri) kommt aus Schottland, wo sie mit ihrem Lebensgefährten und einer sehr fluffigen Katze lebt.
Sehr sympathisch erzählte sie immer wieder Anekdoten, die zu einigen Szenen oder Charakteren in ihren Büchern führten. Die fehlgesendete SMS, durch die Delia im aktuellen Roman von der Affäre ihres langjährigen Freundes und frisch Verlobten Paul erfährt, beruht auf der Geschichte der Freundin eines Freundes, die sich über ihren schrecklichen Chef aufregte und die Mail versehentlich an ebendiesen verschickte. Paul wiederum sei sehr realitätsnah anhand eines früheren Schwarms von Mhairi zu Papaier gebracht worden. Im echten Leben besitzt er ein Restaurant in dem Ort, in dem Mhairi wohnt, das ihr Freund nur sehr ungern aufsucht. Im Buch ist Paul Inhaber eines Pubs und versprüht dort an den Wochenenden Endlos-Ladungen an Charme und Coolness, wodurch er den Rest der Woche träge und griesgramig wird. Auch Delias beste Freundin Emma hat ein lebendiges Vorbild, nämlich Mhairis Freundin Kate, mit der sie immer nur Spaß hat, die gute Laune und Tatendrang versprüht, dass man ihre Anwesenheit nur genießen kann. Genau um Beziehungen wie diese geht es in Mhairis Romanen; Freundschaften sind ihr dabei auch wesentlich wichtiger als der Aspekt der Liebe.
Oft werden Romane ihreer Art als „Chicklit“ bezeichnet, Margarete hat sie daher gefragt, wie ihr diese Klassifizierung gefällt, worauf Mhairi sofort lossprudelte, um ihre Meinung offen zu legen. Anfangs mochte sie diesen Namen überhaupt nicht, sie fand, es klinge herablassend, vor allem, da „Chick“ im britischen Raum ein altmodischer, beleidigender Begriff für eine Frau sei. Zudem seien die Rollen in der typischen „chicklit“ sehr eindeutig vergeben: Eine engelsgleiche Frau, die nichts falsch macht und in allem nur perfekt ist, und der Bad Boy, der sie schlecht behandelt, im Leben versagt hat, und die trotzdem die große Liebe ineinander finden. Aber genau so sind Mhairis Charaktere überhaupt nicht. Das betonten auch Margarete, die von Mhairis Büchern insbesondere auf Grund der sehr detailreich herausgearbeiteten Protagonisten und Nebencharaktere begeistert ist. Ihre Lieblingsfigur im aktuellen Roman ist Kurt, der neue Chef von Delia. Ich freue mich schon darauf, ihn kennen zu lernen. Doch Mhairi hat sich im Laufe der Zeit mit „Chicklit“ abgefunden, jetzt kann sie wertschätzen, dass es üerhaupt eigene Namen für Literatur für und von Frauen gibt, während die männlichen Autoren nur in die „normalen“ Genres einsortiert werden.
Dabei wurde aber ebenfalls deutlich, dass Mhairi durchaus Feministin ist, was sich später im Gespräch noch festigte, als es sich dem Schreiben selbst zuwandte. Mhairi ist der Meinung, dass es als Frau per se schon schwieriger sei, ein Buch zu schreiben, weil sie sich immer selbst unterschätzen würden nach dem Motto „Klar, andere schreiben Bücher, aber ich doch nicht!“ Dieses Gefühl würde Männern komplett fehlen, sie hätten mehr Selbstvertrauen in ihre eigene Stimme auf Papier.
Mhairi selbst ist mehr durch einen Zufall zum Schreiben gekommen. Sie war Journalistin und wurde von ihrem Chef gezwungen, eine regelmäßigen Beitrag im Stil der Bridget Jones Diaries zu verfassen. Sie hatte zu Beginn überhaupt keine Lust auf diese Aufgabe, aber dann hat Mhairi festegestellt, dass es süchtig macht, Geschichten zu erfinden. Die erste Bestätigung für ihre Werke bekam sie von einer Kollegin, die nach dem Abschluss der Artikelreihe wissen wollte, wie es weiter geht. Das hat Mhairi sehr bestärkt, ihren ersten Roman über Rachel und Ben zu schreiben.
Allgemein gibt sie allen angehenden Autoren den Tipp, das Buch zu schreiben, das sie selbst gern lesen wollen, aber noch nirgendwo im Regal steht. Man sollte auch erst schreiben und anschließend den Verlag suchen, statt auf ihn zu warten. Margarete sagte, das erste Buch sei häufig das Einfachste, weil man noch frisch ist, sich nicht selbst kopieren kann und noch keine Erwartungen erfüllen muss. Doch da ist Mhairi anderer Meinung. Sie sagt, das erste Buch sei das Schwierigste, da man seine eigene Stimme erst finden muss und noch keinen Verlag hat, der hinter einem steht.
Mhairi modelliert immer zuerst ihre Charaktere, da die das Wichtigste in ihren Büchern ausmachen. Anschließend legt sie die Outlines der Handlung fest und überrascht sich selbst, wenn sie dazwischen auffüllt. Hauptsache, sie kann beim Schreiben schon mit ihren Figuren fühlen, kichern und schimpfen. Dabei lässt sie sich aber nicht von den Protagonisten vorschreiben, wie es ablaufen soll. Mhairi sgt über sich, dass sie „quite bossy“ ist. Über ihre Bücher sagt sie, dass sie sehr offen, derb und humorvoll sind, wo ich ihr nur zustimmen kann. Sie würde einerseits gerne noch Folgebände zu ihren Romanen schreiben und einige Personen wieder aufgreifen, aber andererseits möchte sie Leser und Verleger nicht enttäuschen. Letztere sehen Folgebände meist nicht so gern, da die sich schlechter verkaufen, ließ Mhairi uns wissen.
Es war also nicht nur amüsant, sondern auch informativ, der schottischen Autorin zuzuhören. Aus dem Roman „Es muss wohl an dir liegen“ las dann Hannah Herzsprung mehrere Stellen vor. Hannah war ziemlich erkältet, doch trotzdem hatte ihre Stimme so viel Kraft und Gefühl, dass ich später beim Lesen des Buches immer noch ihre Betonungen im Kopf hatte. Hannah ist übrigens demnächst in einem Film des ZDFs zu sehen, der das Leben der Adidas und Puma Brüder zeigt. Sie spielt eine der Ehefrauen und erzählte uns, wie spannend es war, in der Maske zu einer alten Frau hergerichtet zu werden.
Ihr seht, dieser Trip nach Dortmund vor circa 3 Wochen hat sich sehr gelohnt!

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