Märchenzeit Teil 3

Und hier kommt der letzte Teil meines Märchens „Die fünf Tropfen“. Viel Spaß damit!

//Das Mädchen tat, als sei nichts gewesen und fragte, mit wem sie denn so bald verheiratet werden solle.
„Mit dem Prinzen! Er war hier und warb um dich!“
„Was? Lass mich ihn erst kennenlernen, Vater! Ich werde drei Tage und drei Nächte im Schloss verbringen, natürlich mit einer Magd, dass nichts Unziemliches geschieht.“
„Wenn er einverstanden ist, gerne, meine Tochter!“
So fuhr das Mädchen mit ihrer Leibmagd noch an diesem Tage fein herausgeputzt in einer edlen Kutsche zum Schloss.
Es war schon Abend, daher stand schon bald das Nachtmahl an und sie wollte schon die Tropfen in des Prinzen Weinglas füllen, als dieser in der Tür erschien. Sie zuckte fürchterlich zusammen.
„Hast du Angst vor mir, meine Schöne? Sei unbesorgt, ich tu dir nichts!“
„Oh nein, Herr Prinz! Ich dachte nur, es würde meine Magd sein, die kommt. Verzeiht, edler Herr!“
So bot sich der Tochter keine Gelegenheit mehr, dem Prinzen ihren Willen aufzuzwingen. Nach dem überwältigenden Mahl wollte der Prinz dem Mädchen und ihrer Magd das Schloss zeigen. Zuerst gingen sie bei den letzten Sonnenstrahlen in den Garten und die Frauen bestaunten die Blumenpracht. Dann kamen die königlichen Gemächer, Empfangsräume, der Gesindetrakt, die Türme, die Schlossmauer und zu guter Letzt die Kemenate, in der schon einige Geschenke und ein duftender Badezuber bereitstanden. Der Prinz verließ die Frauen und sofort traten weitere Mägde ein, die dem adeligen Mädchen helfen sollten. Frisch gebadet packte das Mädchen die Geschenke aus und die Leibmagd kreischte vor Vergnügen; es waren kostbare Düfte, Schmuck und wunderschöne Kleider.
„Der Herr muss euch wirklich lieben, wenn er ein solches Vermögen ausgibt.“
„Er kennt mich nicht! Bestimmt werde ich nur sein nächstes Opfer oder er braucht für irgendetwas eine Verlobte!“ Hass sprach aus dem Mädchen.
Die Leibmagd war verwundert, sie hätte den Prinzen sofort geheiratet und anschließend umgebracht.
Am nächsten Morgen war der erste Gedanke des Mädchens, ob wohl auch ein anderes Getränk als Wein funktionsfähig wäre, doch sie traute sich nicht es zu testen, da das Fläschchen schon halb leer war. So wandelte sie den Tag durch das Schloss, entdeckte Geheimgänge und fand die Kerker.
Dort traute sie ihren Augen nicht! Ihr Geliebter steckte in der Zelle für Todgeweihte! Er war über und über mit Wunden und blauen Flecken bedeckt und die Daumen fehlten ihm. Halb bewusstlos lag er am Boden und riss die Augen auf, als er das Mädchen erkannte.
„Was hat er dir nur angetan, Liebster! Warum nur?“, weinte die Tochter.
Mit ächzender Stimme erklärte er dem Mädchen, dass der Prinz sie zu Hochzeit zwingen wolle und ihn als Geisel hielt.
So beschloss das Mädchen den Prinzen zu ehelichen und einige Tage später umzubringen.
Sie eilte zum Königssohn und noch an diesem Abend wurde die Hochzeit in voller Prachtgefeiert.
So war das Mädchen von nun an Prinzessin und lebte in Reichtum und scheinheiliger Glückseligkeit. Nach einer Woche bot der Prinzessin sich die Gelegenheit die fünf Tropfen in das Weinglas des Prinzen zu füllen.
Er hatte gerade einige Bauern angehört und war in Wut über das Verlangte, daher kippte er den Wein in einem Schluck hinunter und das Mädchen wünschte sich von ganzem Herzen, er möge nach dem Essen zusammenbrechen und eines qualvollen Todes sterben, in dem er sich all seiner Opfer erinnerte.
Die Prinzessin genoss das Essen sichtlich und freute sich darauf ihren Geliebten bald befreien zu können. Wie gewünscht brach der Prinz zusammen und die anwesenden Mägde kreischten um die Wette, als sie jedoch sahen, dass der Prinz wirklich tot war, freuten sie sich und beglückwünschten den unbekannten Mörder.
Der König aber wurde krank und verstarb kurze Zeit später. So wurde die Prinzessin Königin. Das Volk liebte sie und war stolz auf das mutige Mädchen, welches sie vor dem grausamen Sohn gerettet hatte.
Ihr Geliebter war jedoch verschwunden, ebenso die Daumen, die im Schlafgemach des Prinzen gelegen hatten.
Auch lief die Magd, die das Lieblingskleid des Mädchens geklaut hatte, nun im Unterkleid herum.
Und wenn die glückliche Königin nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute.//

Märchenzeit

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